Allgemeine Fragen

Allgemeine Fragen zur EU-Insolvenz

Kann man sich auch schneller entschulden?

Ja. Im Gegensatz zu Österreich und Deutschland, in dem das Restschuldbefreiungsverfahren sehr lange dauert, sind diese Verfahren in vielen anderen Ländern kürzer. Das EU-Recht ermöglicht es EU-Bürgern, in anderen Ländern das Insolvenzverfahren durchzuführen, wenn sie dort ihren Lebensmittelpunkt haben. Diese Erteilung der Restschuldbefreiung durch Gerichte in anderen EU-Mitgliedstaaten, z. B. in Lettland und England, wird in Deutschland, Österreich sowie anderen EU-Ländern anerkannt.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Entschuldung in 12 Monaten. Klingt gut, aber wo ist der Haken?

Erfahrungsgemäß wird insbesondere das englische Insolvenzverfahren bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung routiniert und problemlos verlaufen. Schwierigkeiten können aber nach Ihrer Rückkehr auftauchen, d. h., wenn die deutschen Gläubiger die EU-Restschuldbefreiung anerkennen müssen.

Zwar gilt nach der europäischen InsVO der Grundsatz, dass die deutschen Gläubiger die englische oder lettische Restschuldbefreiung automatisch anerkennen müssen.

Kann man Ihnen aber nachweisen, dass Sie nur deshalb ins Ausland gezogen sind, um sich Ihrer Schulden in Deutschland zu entledigen, erklärt das deutsche Gericht die ausländische Restschuldbefreiung für wirkungslos.

Den Nachweis einer rechtsmissbräuchlichen Verlegung des Wohnsitzes mit der Folge eines ordre public Verstoßes muss allerdings der Gläubiger führen, d. h. er muss Ihr rechtsmissbräuchliches Verhalten beweisen.

Ob sich ein deutscher Gläubiger überhaupt die Mühe macht, wenn es bei Ihnen ohnehin nichts zu holen gibt und ob ihm dieser Nachweis gelingt, ist zweifelhaft. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes ist die EU-Restschuldbefreiung jedenfalls dann anzuerkennen, wenn bei Ihnen“anerkennenswerte Gründe für den Wohnsitzwechsel bestanden haben“.

Aber ein Restrisiko bleibt. Das Risiko wird umso größer, je öfter Sie sich vor allem in der Endphase des Verfahrens in Deutschland aufhalten.

Der zweite Haken sind die Kosten der EU-Insolvenz. Der Schuldner bzw. sein Sponsor darf nicht völlig mittellos sein. Das Aufrechterhalten des Lebensmittelpunktes und natürlich das Entschuldungsverfahren in England oder Lettland kostet ordentlich Geld.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für ein lettisches oder englisches Insolvenzverfahren?

Die wichtigste Voraussetzung für das Verfahren in Lettland oder England ist, dass der Schuldner seinen Lebensmittelpunkt und die wirtschaftlichen Interessen in Lettland oder England hat. Mindestens 6 Monate vor Antragstellung auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens muss der Schuldner schon in Lettland oder England seinen Wohnsitz und seinen Lebensmittelpunkt nach Lettland oder England verlagert haben. Hierbei werden die gesamten Lebensumstände beurteilt, um festzustellen, wo der Lebensmittelpunkt des Schuldners ist, also die Wohnsituation, die Erwerbstätigkeit und auch die familiäre Situation. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass Lebenshaltungs- und Verfahrenskosten gedeckt sind.

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Wird die Restschuldbefreiung nach lettischem oder englischem Recht in Deutschland und Österreich anerkannt?

Nach Art. 3 in Verbindung mit Art. 26 Europäische Insolvenzverordnung werden ausländische Privatinsolvenzen und deren Rechtsfolgen – also Restschuldbefreiung – von den EU-Staaten gegenseitig anerkannt.

Gerichte müssen die Gerichtsbeschlüsse der anderen EU-Länder zur Schuldenbefreiung seit einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 2001 bedingungslos anerkennen. Dieser Grundsatz wurde später gesetzlich in der Europäischen Insolvenzverordnung verankert.

Umgekehrt darf einem deutschen oder österr. Staatsbürger die Insolvenz in England oder Lettland nicht versagt werden. Der Weg zum englischen oder lettischen Insolvenzverfahren ist also seit dem Jahr 2001 für jeden Staatsbürger frei.

Der Grund, weswegen die Schuldenbefreiung in England oder Lettland bereits nach ca. 1 ½ Jahren eintritt, liegt an den Entschuldungsgesetzen der Länder. Eine sechsjährige Wohlverhaltensperiode wie Deutschland oder Österreich ist dort nicht vorgesehen. Der Betroffene erhält die Schuldenbefreiung bereits mit dem Abschluss des einjährigen Verfahrens.

Rechtliche Grundlage der EU-Entschuldung ist die Anerkennung der ausländischen Entschuldungsverfahren samt Restschuldbefreiung in Deutschland (siehe Verordnung EG-Nr. 1346/2000 des Rates vom 29.05.2000).

Entsprechend dieser Verordnung werden in Deutschland die Entschuldungsverfahren mit Restschuldbefreiung anerkannt, wenn die Verfahren dem deutschen Recht ähnlich sind. Dass das englische und lettische Recht dem Deutschen ähnlich ist, wurde wiederholt von deutschen Gerichten bestätigt.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Wie verhält es sich mit Immobilieneigentum, ist eine Entschuldung möglich?

Grundsätzlich können Sie sich auch als Eigentümer von deutschen Immobilien über das englische Insolvenzverfahren befreien. Sie gehen aber das Risiko ein, dass Ihnen aufgrund der Immobilie neue Schulden entstehen.

Solange die Immobilie überschuldet ist, wird sich der englische Insolvenzverwalter nicht dafür interessieren und die Restschuldbefreiung nach 12 Monaten erteilen.

Allerdings behält die über Grundschulden abgesicherte Bank das Verwertungsrecht und wird ein Zwangsversteigerungsverfahren einleiten. Entstehen in der Zeit zwischen Insolvenzantrag und Versteigerung neue Immobilienschulden wie beispielsweise laufende Wohngelder bei Eigentumswohnungen, haften Sie wiederum für diese neuen Schulden.

Sind Sie bereit, dieses Risiko einzugehen, steht Ihnen der Weg zur schnellen Entschuldung auch als Immobilieneigentümer offen.

Zuletzt aktualisiert am 29.09.2016 von Die Insolvenz Berater.

Allgemeine Fragen zur Privatinsolvenz

Was versteht man unter Privatinsolvenz?

Die Bezeichnung "Privatinsolvenz" ist eigentlich irreführend, hat sich jedoch eingebürgert. In Wirklichkeit handelt es sich um eine spezielle Form des Insolvenzverfahrens für alle natürlichen Personen (also nicht für Gesellschaften), egal ob es sich um Privatpersonen (dazu zählen auch ehemalige Unternehmer) oder Einzelunternehmer handelt.

Zuletzt aktualisiert am 01.10.2016 von Die Insolvenz Berater.

Wo liegt der Vorteil einer Privatinsolvenz im Vergleich zu einem normalen Insolvenzverfahren?

Der große Vorteil ist die Möglichkeit einer Schuldenbefreiung auch gegen den Willen der Gläubiger im Abschöpfungsverfahren (was im normalen Konkurs- oder Sanierungsverfahren nicht möglich ist). Außerdem sind für den Zahlungsplan geringere Quoten erforderlich als für ein Sanierungsverfahren. Für Private (Nicht-Unternehmer) ist weiters nicht das Landesgericht, sondern das Bezirksgericht zuständig, es wird kein Kostenvorschuss verlangt und in der Regel kein Insolvenzverwalter bestellt, wodurch das Verfahren billiger ist.

Zuletzt aktualisiert am 01.10.2016 von Die Insolvenz Berater.

Wann gelte ich im Privatinsolvenzverfahren als Privater und wann als Unternehmer?

Ob jemand Unternehmer ist, beurteilt das Gericht aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtumstände. Auf jeden Fall müssen alle Gewerbeberechtigungen gelöscht sein und es dürfen keine aufrechten Dienstverträge mehr bestehen. Dabei kommt es nur auf den Zeitpunkt der Antragstellung an. Solange daher zum Zeitpunkt der Antragsstellung das Unternehmen endgültig geschlossen ist, gilt man auch dann als Privater, wenn die Mehrheit oder sogar sämtliche Schulden aus einer früheren Unternehmenstätigkeit stammen.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Elrico Tschann.

Wer kann eine Privatinsolvenz beantragen?

Einen "normalen" Insolvenzantrag kann sowohl der Schuldner als auch jeder Gläubiger stellen. Den eigentlichen Antrag auf Privatinsolvenz (nämlich die Anträge auf Zahlungsplan und Abschöpfungsverfahren) kann nur der Schuldner selbst stellen, und zwar auch während eines von einem Gläubiger beantragten Insolvenzverfahrens. Einen Antrag auf Privatinsolvenz kann allerdings ein Schuldner nur stellen, wenn es sich um eine natürliche Person (keine Gesellschaft!) handelt.

Zuletzt aktualisiert am 01.10.2016 von Die Insolvenz Berater.

Wie läuft eine Privatinsolvenz ab?

Für Private sind zwingend der Versuch eines außergerichtlichen Ausgleichs und ein Kontakt mit einem Schuldnerberater vorgeschrieben. Unternehmer können direkt einen Insolvenzantrag stellen. Im Insolvenzverfahren besteht zuerst die Möglichkeit, ein Sanierungsverfahren zu versuchen. Scheitert dieser, kommt es zur Vermögensverwertung. Danach kommt es auf Antrag zum Versuch eines Zahlungsplans (erleichterter Sanierungsverfahren). Scheitert auch dieser, kommt es zum Abschöpfungsverfahren mit Restschuldbefreiung (Quote: 10 % in 7 Jahren). mehr dazu unter> Privatinsolvenz Österreich

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Was ist ein Zahlungsplan?

Der Zahlungsplan ist eine Art "erleichtertes" Sanierungsverfahren ohne Mindestquote. In der Praxis sollte allerdings eine Quote von zumindest 10 % erreicht werden, da die Gläubiger ansonsten nicht zustimmen würden. Wie beim Sanierungsverfahren ist nämlich die Zustimmung der Gläubigermehrheit erforderlich.

Zuletzt aktualisiert am 01.10.2016 von Die Insolvenz Berater.

Was ist das Abschöpfungsverfahren?

Stimmen die Gläubiger dem Zahlungsplan nicht zu, so kommt es zum Abschöpfungsverfahren. Dabei werden sämtliche pfändbaren Teile des Einkommens des Schuldners für 7 Jahre an einen Treuhänder abgetreten, sodass dem Schuldner für 7 Jahre nur das Existenzminimum bleibt. Während des Abschöpfungsverfahrens muss der Schuldner eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben bzw. darf er keine zumutbare Tätigkeit ablehnen und hat sämtliches erlangtes Vermögen herauszugeben.

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Was ist eine Restschuldbefreiung?

Gelingt es dem Schuldner entweder innerhalb von 3 Jahren 50 % seiner Schulden oder in 7 Jahren zumindest 10 % seiner Schulden zurückzubezahlen, so kommt es zur sogenannten Restschuldbefreiung. Die Restschuldbefreiung bedeutet, dass der Schuldner nach 7 Jahren und bei Erreichung der mindestens 10 %igen Quote von allen weiteren Schulden befreit ist. Das Abschöpfungsverfahren wird allerdings jedenfalls 7 Jahre weitergeführt, und zwar auch dann, wenn der Schuldner bereits vorher die 10 %ige Quote erreicht hat.

Zuletzt aktualisiert am 01.10.2016 von Die Insolvenz Berater.

Ist in der Privatinsolvenz ein Rechtsanwalt notwendig?

Die Vertretung durch einen Rechtsanwalt ist nicht erforderlich, doch ist zur Vorbereitung einer Privatinsolvenz zumindest die Beiziehung eines fachkundigen Beraters (Unternehmensberater, Steuerberater, Rechtsanwalt, Schuldnerberatungsstelle) zweckmäßig.

Zuletzt aktualisiert am 01.10.2016 von Die Insolvenz Berater.

Hindert eine Privatinsolvenz die Gewerbeausübung?

Die Insolvenzeröffnung ist kein Gewerbeentziehungsgrund mehr. Da es sich bei der Privatinsolvenz ebenfalls um ein Insolvenzverfahren handelt, ist auch die Einleitung einer Privatinsolvenz kein Gewerbeentziehungsgrund.

Zuletzt aktualisiert am 01.10.2016 von Die Insolvenz Berater.

Fragen zur EU-Insolvenz in Lettland

Aus welcher Summe errechnet sich die Quote?

Ein Drittel des erwirtschafteten Einkommens muss an den Treuhänder überwiesen werden. Der monatliche Mindestgehalt in Lettland beträgt derzeit 380,- Euro netto, somit sind mindestens 126,- Euro monatlich an den Treuhänder abzuführen.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Wann wird die Restschuldbefreiung erteilt?

Die endgültige Restschuldbefreiung richtet sich nach Höhe der angemeldeten Forderung und der erreichten Quote. Je nachdem wie viele Gläubiger sich dann tatsächlich anmelden, beträgt die Dauer bis zur Restschuldbefreiung 12 bis 36 Monate. Das Insolvenzverfahren selbst ist nach spätestens 3 bis 6 Monaten erledigt. Damit sind auch alle laufenden Exekutionen eingestellt.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Was passiert mit Schulden, die ich nicht im Verfahren benenne?

Werden diese auch durch die Restschuldbefreiung erledigt?

Nein, diese Schulden sind nicht Teil des Insolvenzverfahrens.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Darf ich während des Insolvenzverfahrens Geld verdienen und wie viel muss ich davon dem Insolvenzverwalter abgeben?

Es gibt überhaupt keine Einschränkungen und Sie können auch während der Zahlungsphase selbstständig erwerbstätig sein. Lediglich ein Drittel des Einkommens muss den Gläubigern zur Verfügung gestellt werden. Eine Kontrolle seitens des Masseverwalters findet nicht statt, da die Verpflichtung zur Überweisung des Drittels bei Ihnen als Schuldner liegt.

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Muss ich 20 % oder 50 % an Quotenzahlung leisten?

Sofern 20 % bzw. 50 % bezahlt werden, verkürzt sich lediglich die Dauer bis zur Restschuldbefreiung. Es ist nicht notwendig eine Quotenzahlung von 20 % zu erreichen. Eine Restschuldbefreiung gibt es auch ohne Quotenzahlung an die Gläubiger. Es besteht lediglich die Verpflichtung Gläubigern während der Zahlungsphase ein Drittel des Einkommens zur Verfügung zu stellen.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Fragen zur Privatinsolvenz in Österreich

Allgemeine Wirkung der Privatinsolvenz

Veröffentlichung der Privatinsolvenz; sämtliches pfändbare Vermögen fällt in die Insolvenzmasse; Verbot an den Schuldner, über die Insolvenzmasse zu verfügen und gewisse Verträge ohne gerichtliche Zustimmung abzuschließen; Prozesssperre; Exekutionsstopp; Zinsenstopp; Auflösbarkeit 2-seitiger Verträge durch den Schuldner; Anfechtbarkeit bestimmter Rechtsgeschäfte durch die Gläubiger; Unterbrechung der Verjährung von angemeldeten Forderungen; Chance auf ein Leben ohne Schuldenprobleme.

Zuletzt aktualisiert am 11.11.2016 von Die Insolvenz Berater.

Gilt die Restschuldbefreiung auch für Ehegatten und Bürgen bzw. Mitschuldner?

Nein!
Eine erfolgreiche Privatinsolvenz befreit immer nur den jeweiligen Antragsteller. Die Rechte der Gläubiger gegen Mitschuldner und Bürgen werden durch das Insolvenzverfahren des Antragstellers nicht beschränkt. Der Antragsteller selbst wird allerdings auch gegenüber den Mitschuldnern und Bürgen schuldenfrei.

Jeder der zahlungsunfähigen Schuldner muss ein eigenes Privatinsolvenzverfahren durchführen.

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Kann ich mich später wieder selbstständig machen?

Eine Privatinsolvenz hindert prinzipiell nicht an der Ausübung eines Gewerbes. Wurde jedoch beim Schuldner der Konkurs mangels hinreichenden Vermögens nicht eröffnet und hat der Schuldner maßgebenden Einfluss auf den Betrieb der Geschäfte, ist die Firma von der Ausübung eines Gewerbes ausgeschlossen.

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Kann ich nach der Insolvenz mehr verdienen?

Mehr verdienen kann man immer. Beim Zahlungsplan bleibt dem Schuldner in der Regel der Mehrverdienst. Im Abschöpfungsverfahren hat der Schuldner die Pflicht möglichst viel zu verdienen, damit die Gläubiger einen möglichst großen Teil ihrer Forderung zurückbezahlt bekommen. Jedoch hat auch der Schuldner vom Mehrverdienst einen Vorteil, denn er bekommt vom Mehrverdienst 30 % für sich und 10 % für jede Unterhaltspflicht.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Kann ich nach der Privatinsolvenz wieder Eigentum anschaffen?

Ja, wenn ein Sanierungs- bzw. Zahlungsplan zu Stande gekommen ist und der Schuldner diesen ordnungsgemäß erfüllt bzw. erfüllt hat. Im Abschöpfungsverfahren verpflichtet sich der Schuldner, für die Dauer von 7 Jahren einer angemessenen Erwerbstätigkeit nachzugehen und die pfändbaren Teile seines Einkommens an einen Treuhänder abzutreten. Erbschaften und Schenkungen etc. werden ebenfalls zu Gunsten der Gläubiger verwertet. Neue Anschaffungen müssen aus dem unpfändbaren Einkommen finanziert werden.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Kredit während oder nach der Privatinsolvenz?

Kreditvergabe ist und bleibt ein Risikogeschäft. Die Kreditgeber wollen das Ausfallsrisiko gering halten und prüfen daher die Kreditwürdigkeit des Schuldners mehr oder weniger streng. Natürlich ist ein abgeschlossener und erst recht ein anhängiger Privatkonkurs ein Alarmsignal. Grundsätzlich ist jedoch die Kreditvergabe an private Pleitegeher nicht "verboten". Neue Kreditaufnahmen während eines anhängigen Schuldenregulierungsverfahrens stellen einen Unwürdigkeitsgrund dar, und der Schuldner wird aus dem Verfahren geworfen (Ausnahme: Kreditfinanzierung der Quote und Verfahrenskosten - wenn sich ein Kreditgeber dazu erweichen lässt). Während eines Abschöpfungsverfahrens darf der Schuldner nur solche Schulden machen, die er aus dem unpfändbaren Einkommen bezahlen kann. Wer aus Angst vor dem Verlust der Kreditwürdigkeit eine notwendige Schuldenregulierung vermeidet, der dürfte allerdings noch nicht "reif" für die Privatinsolvenz sein!

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Können Arbeits- und Mietverträge wegen Insolvenzeröffnung gekündigt werden?

Nein, es gelten weiterhin die auch sonst gültigen Bestimmungen des Arbeits- und Mietrechtes. Auch im Insolvenzverfahren muss das Gericht dem Schuldner und dessen im gleichen Haushalt lebender Familie die notwendigen, gemieteten Räumlichkeiten überlassen. Die dafür anfallenden Kosten müssen allerdings weiterhin voll bezahlt werden, wenn der Mietvertrag nicht gekündigt werden will!

 

Zuletzt aktualisiert am 11.11.2016 von Die Insolvenz Berater.

Müssen Bürgen weiter bezahlen?

Der Bürge muss das bezahlen, was der Schuldner nicht bezahlen kann, inklusive Zinsen und Kosten.

Zuletzt aktualisiert am 11.11.2016 von Die Insolvenz Berater.

Müssen mein(e) Mann / Frau /Kinder… auch zahlen?

Ehepartner haften nicht automatisch für die Schulden ihrer Frau/ihres Mannes. Auch Eltern haften grundsätzlich nicht für die Schulden ihrer Kinder, Kinder nicht für die ihrer Eltern. Nur wer als Bürge oder Mitschuldner mitunterschrieben oder selbst einen Kredit aufgenommen hat, kann zu Zahlungen gezwungen werden.

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Warum muss ich mehr als 10 % zahlen?

Der Schuldner muss den Gläubigern mindestens eine Quote anbieten, die seiner Einkommenslage in den nächsten 5 Jahren entspricht. Die 10 % stellen eine reine Mindestquote dar, womit es jedem Schuldner auch gegen den Willen aller Gläubiger möglich sein soll, sich von den restlichen Schulden zu befreien. Ziel der Privatinsolvenz ist es, dass einerseits den Schuldnern die Möglichkeit eingeräumt werden soll, nach Bezahlung einer Quote einen Neustart zu beginnen, andererseits sollen die Gläubiger möglichst viel von ihrer Forderung zurückbezahlt bekommen.

Beim Sanierungsplan ist die Quote gesetzlich vorgeschrieben und beträgt mindestens 20 % in maximal 2 Jahren oder mindestens 30 % in maximal 5 Jahren. Beim Zahlungsplan richtet sich die Quote nach dem Einkommen, jedoch wird in der Regel zumindest der Pfändungsbetrag herangezogen. Es ist selten, dass ein Zahlungsplan unter 10 % liegt, vereinzelt kann die Quote 100 % betragen. Beim Abschöpfungsverfahren mit Restschuldbefreiung soll in 7 Jahren eine Quote von mindestens 10 % erreicht werden; wird dieses Ziel nicht erreicht, kann das Verfahren um höchstens 3 Jahre verlängert werden.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Was ist mit den Schulden nach der Insolvenz?

Die Schulden bleiben so lange bestehen, bis die vereinbarte Quote bezahlt ist bzw. bis nach 7 Jahren Abschöpfungsverfahren die Restschuldbefreiung erteilt wird. Danach sind dem Schuldner die restlichen Schulden erlassen. Wird jedoch die vereinbarte Quote nicht bezahlt, oder bekommt der Schuldner die Restschuldbefreiung nicht, weil er seinen Pflichten nicht nachgekommen ist oder die Mindestquote von 10 % nicht erreicht hat, bleiben die Schulden weiter bestehen.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Welche Schuldner sind vom Privatkonkursverfahren ausgeschlossen?

Flüchtige Schuldner, für die in den letzten 10 Jahren ein Abschöpfungsverfahren eingeleitet wurde und Schuldner, die das Schuldenregulierungsverfahren missbräuchlich oder zu Verschleppungsgründen vorschlagen.

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2017 von Die Insolvenz Berater.

Wer darf in Privatinsolvenz gehen?

Jeder, der seine Schulden nicht mehr zur Gänze zurück-bezahlen kann. Nur für so genannte juristische Personen – wie Vereine, Gesellschaften mit beschränkter Haftung usw - ist eine Privatinsolvenz nicht möglich.

 

Zuletzt aktualisiert am 11.11.2016 von Die Insolvenz Berater.

Wer erfährt von der Insolvenzeröffnung?

Die Eröffnung eines Konkursverfahrens wird in der Ediktdatei (www.edikte.justiz.gv.at) bekannt gegeben. Direkt vom Gericht verständigt werden Arbeitgeber, Gläubiger und kontoführende Bank. Gelegentlich werden Insolvenzeröffnungen auch in Tageszeitungen und anderen Veröffentlichungen abgedruckt.

Zuletzt aktualisiert am 11.11.2016 von Die Insolvenz Berater.

Wie viel muss ich in der Privatinsolvenz zahlen?

Berechnungsgrundlage für die notwendigen Zahlungen ist jener Betrag, der dem voraussichtlichen Einkommen der nächsten 5 Jahre angemessen ist. In einem Abschöpfungsverfahren muss der Schuldner 7 Jahre lang die pfändbaren Beträge an einen Treuhänder abführen. Die Restschuldbefreiung wird erteilt, wenn nach 7 Jahren mindestens 10 % der Schulden und die Verfahrenskosten bezahlt sind.

Zuletzt aktualisiert am 11.11.2016 von Die Insolvenz Berater.